Godlecks Wa(h)lheimat

Godlecks Wa(h)lheimat

von Martin Kahl

Hermanus bietet einen weltweit einzigartigen Arbeitsplatz:

Ein Walschreier kündigt den Touristen den Besuch der Meeresgiganten an.

Über mangelndes Selbstbewusstsein kann sich Godleck Baleni, seines Zeichens einziger Walschreier der Welt, nicht beklagen: „Ich bin ein ziemlich charmanter Typ“, sagt er schmunzelnd. Mit den großen umgehängten Schildern, die ihn als „Whale Crier of Hermanus“ ausweisen, dem schwarzen Hut, den ein kleiner Wal schmückt, seinem Kelphorn und seinem breiten Lachen ist er in dem Fischerdorf inmitten der Touristen nicht zu übersehen.

Der 41-Jährige ist noch nicht lange im Amt: Seit April 2006 hat er den prestigeträchtigen Beruf von Wilson Salukuzana, der die Position über acht Jahre innehatte, übernommen. Damit ist er seit 1990 der dritte Walschreier von Hermanus. Vorher arbeitete er für Woolworth, einer Lebensmittelkette, und brachte Essen zu verschiedenen karitativen Einrichtungen in und um Hermanus. Doch dann sah er die Ausschreibung des Touristenbüros, und schrieb in seiner Bewerbung: „Ich bin sehr talentiert, ein Künstler von Natur aus und ich liebe den Umgang mit Menschen aller Kulturen. Vor allem aber beherrsche ich eines: Die Redekunst.“

In der Tat. Wenn die Touristen keine Fragen stellen, sprudelt Godleck von selbst. „Ich versuche den Touristen nicht nur zu zeigen, wo die Wale sind und ihnen zu erklären, wie sie sich verhalten – ich versuche auch, zu unterhalten!“
Mit seinem Fernglas hält er ständig Ausschau nach den faszinierenden Meeressäugern. Sobald er einen Wal sichtet, kommt sein Kelphorn zum Einsatz: Je nachdem, in welchem Teil der Küstenlinie er Wale entdeckt hat, bläst er eine Art Morsecode in sein Kelphorn. Mit Hilfe des Schildes, das er auf seinem Rücken trägt, können die Touristen dann entschlüsseln, in welchem Teil der 12 Kilometer langen Küstenlinie von Hermanus sich die Wale aufhalten, und dorthin eilen.

Die beste Zeit, um in Hermanus Wale zu sehen, ist von August bis Ende Oktober. Dann kommen die Wale aus ihren Nahrungsgebieten in der Antarktis an die Südküste Afrikas um sich zu paaren und zu kalben. Sie sind vom Land aus gut zu beobachten, da sie zum Teil sehr nah an die Küste schwimmen. „Die am häufigsten vorkommende Spezies ist der Southern Right Wal, dessen Name aus der Zeit stammt, als Wale noch gejagt wurden. Sie waren die ‚richtigen’ Wale zum Jagen, da sie viel von dem begehrten Tran enthielten.

Ausgewachsene Wale dieser Spezies können 18 Meter lang werden und bis zu 80 Tonnen auf die Waage bringen“, schwärmt Godleck. Wer sein Wissen über Wale und die Geschichte des Fischerdorfs vertiefen möchte, der sollte auch einen Blick in das Old Harbour Museum werfen. Es dokumentiert den Walfang und das jetzige Leben der Wale. Über ein Unterwassermikrophon kann man den Walgesang hören.  Wer es einrichten kann, sollte seinen Besuch in Hermanus auf die letzte Septemberwoche legen. Dann findet dort das Walfestival statt: Konzerte, Theatervorstellungen, Angebote für Kinder, Kunstmärkte sowie Sport- Ereignisse wie Triathlon, Halbmarathon und Fußball machen den Besuch in Hermanus zum Erlebnis.

Geschrieben von : Blogger