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Shaka Zulu

 
Brutaler Stammesfürst
Shaka (* um 1787 in der Nähe des heutigen Ortes Melmoth im ehemaligen Homeland KwaZulu; † 22. September 1828); auch Shaka Zulu, Shaka ka Senzangakhona, d.h. Sohn des Senzangakhona) war der Häuptling der Zulu, der den Aufstieg des Stammes von einem kleinen Clan zu einem mächtigen Volk mit Macht über einen Großteil des Gebiets des heutigen Südafrika erreichte. Seinem Erfolg bei der militärischen Überwindung seiner Feinde und seinem Geschick bei der Eingliederung der Unterworfenen verdankt Shaka seinen Ruf, einer der herausragenden Häuptlinge der Zulu gewesen zu sein.
 
 
Frühe Jahre
Shaka war der (illegitime) älteste Sohn von Häuptling Senzangakhona ka Jama und Nandi, einer Tochter eines früheren Häuptlings des Stammes der Langeni. Sein Name kommt vom Zulu-Wort iShaka, einem Käfer, der für Unregelmäßigkeiten des weiblichen Zyklus verantwortlich gemacht wurde. Dieser Name verweist auf seine uneheliche Herkunft: Er wurde versehentlich beim Brauch des Uku-Hlobonga gezeugt, einer Art Petting, die eine sozial akzeptierte Form des sexuellen Umgangs junger Leute darstellte. Von seinem Vater verleugnet, verbrachte Shaka seine ersten sechs Lebensjahre in dessen Kral, wo er von anderen gehänselt wurde. Nach dem traditionellen Tieropfer eines Schafes durften er und seine Mutter zu den Langeni zurückkehren, wo sie jedoch auch nicht willkommen waren.
 
Shaka vergaß diese Behandlung nicht und sollte später schreckliche Vergeltung üben. Schließlich fanden die beiden Unterschlupf bei Nandis Tante, die dem emDletsheni-Clan angehörte, die vom mächtigen Stamm der Mthethwa und ihrem alternden König Jobe beherrscht wurden. Der Nachfolger von Jobe war sein Sohn Dingiswayo (Godongwane). Als Shaka 23 Jahre alt war, wurde seine iNtanga (Altersgruppe) ins iziCwe-Regiment eingefügt, wo Shaka sechs Jahre lang als Krieger diente und sich durch besonderen Mut auszeichnete, so dass er schließlich in den Rang eines Generals aufstieg.
 
Bereits zu diesem Zeitpunkt war sein Ruf als Krieger legendär, seine Beinahmen waren "Besieger der Tausend" und "Zier der Regimenter". Dingiswayo hatte aus dem Exil, in das er als Strafe für einen gescheiterten Putsch gegen seinen Vater geschickt worden war, neue Konzepte der militärischen Organisation mitgebracht, insbesondere das Impi (Regiment) und die Befehlskette. Bis zu jener Zeit waren die meisten Kämpfe ausgetragen worden, um Streitigkeiten zu entscheiden. Die neuen Techniken änderten die Situation dramatisch - die erstarkten Armeen verursachten das Mfecane, das in Eroberungen, Flüchtlingsbewegungen und daraus resultierenden verheerenden Gegenschlägen bestand.Shaka verbesserte die militärischen Techniken sowohl in seiner Dienstzeit unter Dingiswayo wie auch später, um seine eigene Macht unter den Zulus auszuweiten.
 
Rückkehr zu den Zulu
Nach dem Tode Senzangakonas half Dingiswayo Shaka, seinen Bruder zu besiegen und 1816 die Führung über die abakwaZulu zu übernehmen, den Stamm seines Vaters. Seine erste Handlung war die Rache an den Feinden seiner Kindheit, von denen er viele pfählen ließ. Die Langeni, die ihm und seiner Mutter auch nicht geholfen hatten, erlitten das gleiche Schicksal. Shaka errichtete einen neuen Königskral, den kwaBulawayo ("Stätte des Tötens"). Zu dieser Zeit war Shaka Herr über etwa 1.500 Stammesangehörige, von denen etwa 400 Männer die Armee bildeten. Das Stammesgebiet umfasste etwa 15 Quadratkilometer. Später, auf dem Höhepunkt seiner Macht, sollte Shaka über 250.000 Menschen herrschen und ein Gebiet von 2.000 Kilometern Durchmesser dominieren. Bei seiner Rückkehr erkannte er Dingiswayo und die Vorherrschaft der Mthethwa noch an, doch schon ein Jahr darauf verriet er Dingiswayo an seinen Erzfeind Zwide, den König des Ndwandwe-Clans aus dem Norden, der Dingiswayo tötete und die Herrschaft der Mthethwa zerschlug.
 
Von Shakas Teile und herrsche-Strategie profitierte der kleine Zulu-Clan, der Anstalten machte, das Machtvakuum zu füllen. Shaka versuchte, mit den nun verstreuten Mthethwa und den Qwabe ein Bündnis gegen Zwide zu schließen. Als die Qwabe ablehnten, sammelte Shaka seine Truppen und besiegte die Qwabe am Ende des Jahres 1817. Shaka zielte darauf ab, diejenigen, die er nicht assimilieren konnte, zu vernichten. Dieses Schicksal erlitten in kurzer Zeit etwa 60 Stämme. Bald hatte Shaka sein Herrschaftsgebiet auf halb Südost-Afrika ausgedehnt.
 
Bürgerkrieg
Die erste große Schlacht gegen Zwide von den Ndwandwe war die Schlacht am Gqokli-Hügel, auf Shakas Territorium. Dank meisterlicher Taktik gewann er den Kampf, obwohl die feindliche Streitmacht doppelt so groß war wie seine eigene. Seine Armee war jedoch zu klein, um den Ndwandwe eine entscheidende Niederlage beizubringen. Danach blieben diese Shakas Hauptfeind, und in Erwartung des nächsten Angriffs ließ er Vorräte anlegen. Da er wusste, dass in der traditionellen Kriegführung der Haupt-Kral angezündet wurde, um die Verteidiger auszuschalten, achtete er darauf, dass die Nahrung so gelagert wurde, dass sie im Notfall verlegt werden konnte. Im folgenden Jahr griff Zwide abermals an, musste aber nach einer fruchtlosen Suche nach Shakas Hauptstreitmacht und Verlusten durch verheerende Attacken wieder nach Norden abziehen. Ritter beschreibt, wie Shaka vom Heerlager, das er in einem Wald aufgeschlagen hatte, Saboteure ausschickt, um den Feind zu unterwandern. Die Parole lautete "Bist du Ndwandwe?", worauf die Antwort "Ja, ich bin der echte Ndwandwe" folgte. Mitten in der Nacht erstachen die Spione die neben ihnen Liegenden und erhoben ein Geschrei, dass es den Kriegern der Ndwandwe unheimlich wurde, sie Lagerfeuer entzündeten und die Nacht durchwachten, nachdem die Saboteure das Lager mit der Behauptung, sie hätten einen Zauberer auf einer Hyäne durch den Wald reiten sehen, verlassen hatten.
In der Schlacht am Mhlatuze griff Shaka Zwides Armee mitten beim Übersetzen an, so dass die feindliche Streitmacht effektiv geteilt war und Zwide unterlag. Darauf eilten die Zulu zum Königskral der Feinde, erhoben ihre Siegesgesänge und unterwarfen die überraschten Ndwandwe.
 
Mfecane - die Verstreuung
Die gesteigerte militärische Effizienz führte dazu, dass immer mehr Clans in das Zulu-Imperium eingegliedert wurden, während andere Stämme abwanderten, um außerhalb der Reichweite der Armeen Shakas zu sein. Der Effekt dieser massenhaften Migrationen, der als Mfecane bekannt geworden ist, führte dazu, dass beispielsweise das heutige Volk der amaNdebele im weit entfernten Simbabwe seine Abstammung von Mzilikazi herleitet, einem der Generäle Shakas, der während eines Feldzuges zu geringe Tributzahlungen an Shaka abgeführt hatte. Die schlechte moralische Verfassung solcher Flüchtlingsclans machte es den Briten und den Voortrekkers leicht, sie zu unterjochen. So begünstigte Mfecane indirekt den Kolonialismus, der später in den Zulukrieg mündete.
 
Tod und Nachfolge
Als Shakas Mutter Nandi nach einer Krankheit starb, ließ Shaka 7.000 seiner Untertanen hinrichten und verordnete ein drei Monate langes Hungern zum Zeichen der Trauer. Dies schwächte seine Macht über die Zulu und gab seinen Gegnern Auftrieb. Shaka wurde von seinem Halbbruder und direkten Nachfolger Dingane mit Unterstützung seines Induna (Beraters) erstochen. Erst Shakas Nachfolger trugen den militärischen Konflikt mit den Kolonialmächten aus. Im späten 19. Jahrhundert waren die Zulus eines der wenigen afrikanischen Völker, die sich gegen die Britische Armee behaupten konnten (Schlacht von Isandlwana). Da Shaka Nachkommen stets als potentielle Rivalen um die Macht betrachtet hatte, hinterließ er keine Kinder. Er hatte zwar einen Harem von etwa 1.500 Frauen, aber diese waren hauptsächlich als Tauschobjekte oder Geschenke für andere Häuptlinge bestimmt. Das Fortbestehen der Blutlinie wurde durch seinen Halbbruder und späteren Nachfolger Mpande und den Induna Ndlela kaSompisi gesichert.
 
Shakas militärische Revolution
Shaka übernahm das militärische System, das Dingiswayo eingeführt hatte. Shaka war unzufrieden mit der Verwendung von Assegai, einem traditionellen Wurfspieß, von denen die Zulukrieger jeweils drei trugen - er sah keinen Sinn darin, eine Waffe fortzuwerfen, und hielt dies außerdem für einen Akt der Feigheit. Ernest Augustus Ritter schreibt, Shaka habe inkognito die Schmiede des Stammes besucht, die am Rande der Gesellschaft standen, da die Zulus glaubten, sie benutzten menschliches Körperfett für ihre Arbeit. Er bat sie, ihm eine neue Waffe zu entwerfen - den Iklwa, einen kurzen Stoßspeer mit einer langen Klinge als Spitze. Der Name ist eine Nachahmung des Geräusches, das beim Eindringen und Herausziehen der Waffe aus dem Körper entsteht. Shaka führte auch einen größeren, schwereren Schild aus Kuhhaut ein, der dazu gebraucht wurde, den Schild des Gegners zur Seite zu stoßen, um einen tödlichen Speerstich anzubringen. An der Waffe musste nach der Schlacht Blut kleben, sonst drohte dem betreffenden Krieger der Vorwurf der Feigheit.
 
Die Streitmacht Shakas, die nun in eigenen Kriegerkrals untergebracht war, zeichnete sich durch Disziplin und Nahkampfstärke aus. Als erster Häuptling führte er militärisches Training ein und sogar Uniformen. Um seine Männer abzuhärten, schaffte Shaka die Ledersandalen ab und ließ sie barfuß kämpfen. Shakas Soldaten konnten an einem einzigen Tag über 80 Kilometer zurücklegen und so ihre Gegner überraschen. Er verbot seinen Soldaten unter Strafe den Geschlechtsverkehr und nahm selbst Sechsjährige als Udibi (Krieger-Lehrlinge) auf, die Proviant und Waffen trugen, bis sie selbst der kämpfenden Truppe beitreten konnten. Vor Shaka war die afrikanische Kriegführung geprägt von Massenangriffen und dem Einsatz von Wurfspeeren. Ausgeklügelte Manöver waren unbekannt. Shaka änderte dies durch die Einführung seiner berühmt gewordenen Kampftaktiken, die er von Dingiswayo übernommen und weiterentwickelt hatte.
 
Die Impi wurden in vier Gruppen geteilt, die während der Schlacht eine Ordnung einnahmen, die die Form eines Stierkopfes hatte. Die kampfstärkste Gruppe bildete dabei den Isifuba (Brustkorb) und griff den Feind frontal an. Die zweite und dritte Gruppe bildeten die "Hörner" (Izimpondo), die gleichzeitig die Gegner mit einer Kreisbewegung umzingelten, um Flucht oder Rückzug zu verhindern. Die letzte Gruppe bildete die Reserve. Shaka selbst beobachtete die Schlachtordnung von einem erhöhten Ort aus und ließ Befehle an die Kämpfergruppen von Boten überbringen. Shakas Strategie im Einsatz dieser Taktiken war einfach: Seine ersten Angriffe zielten auf kleinere Horden und Clans, die leichte Opfer waren. Dann stellte er die Überlebenden vor die Wahl, zu seinen Streitkräften überzulaufen oder getötet zu werden.
Diejenigen, die sich zum Übertritt entschlossen, mussten ihren alten Stammesbindungen entsagen. Sie wurden zu Zulus, erhielten eine Ausbildung in den neuen Kampftechniken und wurden in die Regimenter integriert. Versagen oder das Zeigen von Furcht waren Shaka verhasst und konnten mit dem Tode bestraft werden. Ebenso, wie siegreiche Regimenter bei der Heimkehr ausgezeichnet wurden, beispielsweise durch die Erlaubnis, zu heiraten, wurden Krieger, die negativ aufgefallen waren, bei der Rückkehr am Königskral aus den Reihen gezerrt und durch Schläge oder das Brechen des Genicks getötet. Shaka machte die afrikanische Kriegführung, die vorher stark ritualisiert und auf minimalen Verlust von Menschenleben ausgerichtet war, zu einem Instrument der Unterjochung durch brutales Gemetzel.
 
Schätzungen sprechen von bis zu einer Million Opfern seiner Kriege. Auch ein halbes Jahrhundert nach Shakas Tod waren seine Taktiken noch bei den Zulus in Gebrauch, was seinen Ruf als einflussreichster afrikanischer Militärführer untermauert. Außerdem gilt er als Begründer des Gedankens einer Zulu-Nation. Obwohl Shaka bereits Kontakt mit Europäern vom Britischen Empire gehabt hatte, starb er, bevor es zu einer militärischen Auseinandersetzung mit den fremden Soldaten mit ihren Steinschlossgewehren kam. Er hatte den Briten sogar Land überschrieben, nachdem diese ihn 1824 nach einer Verwundung medizinisch versorgt hatten.
 
Heutige Bedeutung
Shaka ist noch heute eine der bekanntesten Figuren aus der afrikanischen Geschichte. Für die Zulu bleibt er ein Nationalheld: In jedem September feiern sie den "König Shaka-Tag", der mit einer Zeremonie am Denkmal nahe des Sterbeortes von Shaka in KwaDukuza begangen wird. In der Ideologie der Inkatha, der südafrikanischen Zulu-Partei, nimmt er als Gründer der Nation eine zentrale Rolle ein. 1986 entstand die erste von zwei Staffeln eine Fernsehserie namens "Shaka Zulu", die auf einem gleichnamigen Roman von Joshua Sinclair basierte, der seinerseits auf die mündlich überlieferte Geschichte der Zulu zurückgriff. Die Serie war umstritten, weil sie an südafrikanischen Schauplätzen gedreht worden war, während das damalige Apartheidregime noch weltweit boykottiert wurde. "Shaka Zulu" wurde in Deutschland vom ZDF ausgestrahlt. Der zweiteilige Spielfilm "Shaka Zulu - The Citadel" (deutsch: "Der Krieger - Shaka Zulu") mit David Hasselhoff, Grace Jones und Omar Sharif, eine Regiearbeit von Joshua Sinclair, erschien 2001 auf Video. Er ist nur locker an historische Fakten angelehnt und seine Handlung weitgehend frei erfunden.