In Südafrika lassen immer mehr Urlauber ihren Traum vom Safariranger wahr werden, lassen sich für den Alltag im Busch ausbilden und entdecken die Nähe zur Natur, aber auch den ganz normalen Alltag hinter ihrem Traumberuf. Von Michael Wolf
Robert Redford entsichert seine Flinte und nähert sich langsam der Elefantenherde. Die Krempe des Hutes ist tief ins Gesicht gezogen, die khaki-farbenen Hemdsärmel sind hochgekrempelt. Frauen fallen reihenweise in Ohnmacht, während sich Männer von ihrem Schreibtischjob in die Afrikanische Steppe sehnen, wo man noch was erleben kann. In Südafrika ist „Safariranger“ ein ganz normaler Beruf, den man erlernen kann. Immer mehr Reisende nutzen ihren Urlaub oder das Sabbatjahr, um einen Geschmack vom Leben eines afrikanischen „Wildhüters“ zu bekommen. Zahlreiche Kurse mit unterschiedlichen Schwerpunkten von Naturschutz bis Überlebenstraining sind möglich. Doch was beinhaltet eigentlich eine Ausbildung zum Safarianger? „Jeder Tag ist anders “, sagt Gerrard Engelbreght über seinen Beruf, den er seit neun Jahren ausübt. Seit sieben Jahren ist er im Shamwari Tierpark als Ranger angestellt und zeigt Stadtmenschen aus aller Welt die Wildnis, die er so liebt. Der Job sei nicht für jedermann, vor allem wegen der Arbeitszeiten.
Um 5 Uhr Aufstehen, um 7 Uhr die erste Safarifahrt, dann Frühstück mit den Gästen, Ausrüstungs- und Vehikelpflege, später neue Gäste empfangen, weitere Safarifahrten, die letzte bis 19 Uhr, dann Abendessen mit den Gästen. „Freizeit bleibt da nicht übrig. Man muss seinen Beruf wirklich lieben“, so Gerrard. Das Training fordert Körper und Geist. Ein typischer Lehrplan beinhaltet eine beachtliche Menge an Lehrstoff aus den Bereichen Geologie, Ökologie, Tier- und Pflanzenkunde, aber auch Fährtenlesen, Navigation, Astronomie und Wetterkunde. Es muss also diszipliniert „gebüffelt“ werden. Dennoch ist die Ausbildung viel mehr als trockene Theorie, da das Gelernte umgehend im Busch angewendet werden kann. So zum Beispiel beim Fährtenlesen: Erfahrene Trapper können an einer Wildfährte nicht nur Art, Alter und Geschlecht des Tieres bestimmen, sie erkennen auch wie alt die Fährte ist, zum Beispiel wenn ein gewisser Nachtvogel, der „Nightjar“ über die Spur gelaufen ist.

Aus eigener Erfahrung weiß Gerrard, dass eine Spurensuche zwar sehr spannend ist, aber auch eine extrem gefährliche Wendung nehmen kann: „Auf einer Wandersafari folgten wir einer frischen Spur und ehe wir uns versahen, liefen wir mitten in eine Gruppe Löwen, die nur etwa 20 Meter von uns im hohen Gras lag. Doch auf diese Situation waren wir durch unser Training vorbereitet. Wir vollführten eine so genannte „Moch Charge“, eine besondere Art des Rückzuges. Trotzdem war das eine ziemlich haarige Angelegenheit.“ Ein Schwerpunkt im Rangertraining ist die Sensibilisierung der Sinne auf die Signale der natürlichen Umgebung. Zum Beispiel ist es in der Wildnis wichtig, die Geräusche der Tiere eindeutig identifizieren zu können. Das Brüllen eines Löwen und das eines Straußenvogels klingen ähnlich, was von Laien schon mal verwechselt wird. Durch das frühzeitige Erkennen äußerer Merkmale werden Gefahren, zum Beispiel ein brunftiger Elefantenbulle, vermieden.
Stadtmenschen sind oft von ihren eigenen Fähigkeiten überrascht, wenn sich ihre Sinne schon nach wenigen Tagen auf den afrikanischen Busch eingestellt haben. Wirklich nützlich sind die praktischen Überlebenstipps: Wie transportiert man einen Verletzten? Was tut man bei einem Schlangenbiss? Auszubildende lernen das A und O des Überlebens im Busch. Inklusive sind viele Tipps und Tricks, wie man sich die natürliche Umgebung nutzbar machen kann, um zum Beispiel eine Behausung zu bauen, eine Wunde mit Kräutern zu behandeln oder ein Abschleppseil aus den Fasern des Karoo-Busches zu binden. Zur elementaren Ausbildung eines Safarirangers gehört auch technisches „Know How“, wie das Bedienen großkalibriger Gewehre und die korrekte Handhabung von Funkgerät, Kamera und Feldstecher.
Und Abenteuerlustige kommen voll und ganz auf ihre Kosten, wenn es darum geht, ein Allradfahrzeug über eine Sanddüne oder durch einen Fluss zu steuern. Nicht zuletzt aber ist Kommunikation und Wissensvermittlung Pflichtfach eines jeden Safarirangers. „Die tagtägliche Freude an der Gästebetreuung und die Gabe, ihnen all die Geheimnisse des Lebens im afrikanischen Busch zu vermitteln, sind für einen Safariranger ein absolutes Muss. Denn es vergeht kein Tag, an dem wir keinen Gast betreuen“, weiß Gerrard, „und wenn nötig, muss man auch eine Gruppe Japaner bei Laune halten können.“ Ein introvertierter Einzelgänger wie Robert Redford wäre hier wohl fehl am Platz.
Zur Vermittlung von Rangerseminaren und -kursen, aber auch kompletten Ausbildungen in ganz Südafrika, wenden Sie sich bitte an
Andulela Experience