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Elfenbein

 
Die Jagd nach dem weißen Gold
Der Handel mit Elfenbein ist verboten, der Markt floriert trotzdem. Frühmorgens in der Savanne. Die ersten Sonnenstrahlen durchdringen die Grasfelder, die kargen Dornenbüsche und die Kronen der Affenbrotbäume.
Stille liegt über der Weite. Ein Geländewagen ruckelt auf dem staubigen Pfad Richtung Tümpel. Die Insassen sind mucksmäuschenstill. Nur ein leichtes Vogelgezwitscher begrüßt diesen Tag. Das Fahrzeug nähert sich dem Tümpel. Wie ein Willkommensgruß ertönt plötzlich mehrstimmig das Tröten der grauen Dickhäuter. Afrika wie im Bilderbuch.
 
Staunen und Lächeln zieren die Gesichter der Safari-Teilnehmer. Die friedlichen Kolosse entspannen bei einer wohligen Rüsseldusche, dabei reflektieren die weißen Stoßzähne funkelnd im Wasser. Einige Kilometer entfernt bahnt sich ein weiterer Geländewagen seinen Weg. Wilderer! Doch für sie haben diese Elefanten einen ganz anderen Wert. Denn viele der friedlichen Tiere müssen sterben – für einen sinnlosen Elfenbeinschmuggel. Sie werden gejagt und erschossen, ihre Zähne abgesägt und illegal verkauft. Tendenz leider steigend! Und wofür? Schnitzereien, Schmuck und Skulpturen.
 
In den 1970er und 1980er Jahren schockierten Bilder von zahlreichen auf diese Art getöteten Elefanten Menschen rund um den Globus. Die traurige aber wahre Nachricht: Binnen eines Jahrzehnts wurde der Bestand der Dickhäuter in Afrika halbiert. Das Massaker dieser Zeit nahm mit dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen ein vorläufiges Ende. Seit 1989 ist der Elfenbeinhandel verboten. Doch jetzt gibt es wieder alarmierende Berichte. Die Umweltschutzorganisation Pro Wildlife zeigt in ihren aktuellen Reportagen, dass Länder wie Tansania, Mosambik und Sambia den strengen internationalen Elefantenschutz aufweichen wollen.
 
Im März 2010 planen die genannten Länder, für eine Aufhebung des strengen Schutzes der Elefantenbestände zu plädieren. Ein wahrer Freibrief für die vielen Wilderer – so können sie unter dem Deckmantel der Legalität wieder Jagd auf die Dickhäuter machen. Denn das weiße Gold ist lukrativ. Der Dollarpreis stieg innerhalb von fünf Jahren von 200 US-Dollar pro Kilogramm auf stolze 1000 US-Dollar.
 
Die Wilderei und der Elfenbeinschmuggel sind weiter auf Vormarsch. Denn das Washingtoner Gesetz droht immer mehr zu kippen. Der erste Schritt war der legale Verkauf von mehr als 100 Tonnen Elfenbein aus staatlichen Lagerbeständen im vergangenen Jahr. Botswana, Namibia, Simbabwe und Südafrika versteigerten das weiße Gold bei einer Auktion, der Hauptabsatzmark ist Asien.
Befürworter dieses einmaligen Elfenbeinverkaufs behaupteten, durch den legalen Verkauf die Wilderei einzudämmen. Ein Trugschluss: Im Frühjahr wurde eine Rekordmenge von 11 Tonnen beschlagnahmt. Experten gehen aufgrund der konfiszierten Menge davon aus, dass derzeit etwa 38.000 afrikanische Elefanten jährlich wegen ihrer Stoßzähne getötet werden. Laut Pro Wildlife ergeben Schätzungen, dass die Elefantenbestände stärker reduziert werden als vor dem Handelsverbot.
 
Aber damit nicht genug. Südafrika erlaubte im vergangen Jahr nach 14 Jahren erstmalig wieder den gezielten Abschuss von Elefanten in seinen Nationalparks – unter strengen Auflagen. Das teilte Umweltminister Marthinus van Schalkwyk nach vielen endlosen Debatten und heißen Diskussionen im Mai 2008 mit. Fakt ist: Die Zahl der Jumbos hat sich in Südafrika seit 1994 in den Nationalparks verdoppelt.
 
Einige Experten verweisen auf die Zerstörung der Flora aufgrund der stark gestiegenen Elefantenpopulation, andere behaupten, es wäre nur ein Vorwand, um die lukrative Ware zu lagern und später bei Auktionen zu verkaufen. Die Jagd nach dem weißen Gold scheint weiterzugehen. Ob legal auf Auktionen oder illegal in der Wildnis. Die Umweltschutzorganisation Pro Wildlife fordert, jeglichen Elfenbeinhandel zu verbieten und appelliert an die vielen Touristen, keine Elfenbein Souvenirs mit nach Hause zu nehmen.
 
Und die Erinnerung an den Safari-Trip ist doch ein schöneres Mitbringsel und allemal mehr wert als solcherlei Schnitzereien oder Skulpturen. Denn wenn in der Savanne die Sonne untergeht und die Abenteurer in ihre Camps zurückkehren, dann haben sie noch immer die faszinierenden Bilder und unvergesslichen Eindrücke in ihren Köpfen.
 
Übrigens: Wer mit Elfenbein im Gepäck erwischt wird, dem drohen harte Strafen.
 
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