Cup der Guten Hoffnung
Nach der WM ist ja bekanntlich vor der WM und daher bereitet sich der Ausrichter der WM 2010 bereits jetzt auf seine Rolle als Gastgeber vor. Nach der denkbar knappen Niederlage Südafrikas bei der Bewerbung um die WM 2006, konnte sich das Land im Rennen um die WM 2010 unter anderem gegen Libyen, Marokko und Ägypten durchsetzen. Das Ausrichten der WM wird dem Land Investitionen in Höhe von rund 10 Mrd. Euro für z.B. Infrastruktur, Stadien und Gastronomie bescheren. Für Südafrika ist die WM 2010 sicherlich mehr als nur ein Fußballturnie.
Die Winter Monate Juni und July sind touristisch gesehen die schwächsten im südafrikanischen Kalender aber die WM 2010 wird die Unterkünfte füllen. Auf einen Langzeiteffekt darf der Unternehmer hier hoffen, steht Südafrika erstmals im Internationalem Schaufenster und nur vom Mund zu Mund Marketing werden steigende Besucherzahlen für das Land am Kap erwartet.
Noch ist die Fussball-WM in Deutschland nicht zu Ende, da bandelt Österreichs Wirtschaft schon mit den Veranwortlichen für die WM 2010 in Südafrika an. Anlässlich einer Erkundungsreise einer Delegation der Wirtschaftskammer Oberösterreich (WKOÖ) unter der Führung ihres Präsidenten Rudolf Trauner in Südafrika werden gerade die Geschäftschancen Österreichs im Veranstalterland der nächsten Fussball-Weltmeisterschaft ausgelotet. Diese dürften nicht schlecht stehen. Südafrikas Regierung will in den nächsten drei Jahren 41 Mrd. Euro in die Infrastruktur investieren, um diese auf internationales Niveau zu bringen. So sind bis 2010 unter anderem der Ausbau des Strassennetzes, der Eisenbahnen, Flughäfen und Häfen geplant. Weiters sind Verbesserungen bei der derzeit nicht mehr ausreichenden Elektrizitätsversorgung, den Krankenhäusern, der Telekommunikation sowie der Hotel und Tourismuseinrichtungen vorgesehen. Um von diesem Kuchen ein Stück abzubekommen, arbeitet die österreichische Delegation in Südafrika gerade an einer Studie, die bis zum Herbst fertig sein soll.
Auch die deutsche Firma Puma wolle zur WM in vier Jahren die größte Marketingkampagne der Unternehmensgeschichte fahren. Wieviel Puma investieren will, wurde bislang noch nicht bekannt. Eines wird der Sportartikelhersteller jedoch tun: Er vervierfacht sein Marktpotenzial in Afrika bis 2010. Die Investition in alle fünf teilnehmenden Afrika-Mannschaften bei der WM 2006 zählt da vielleicht schon mit.
Auch Investoren haben ihren Blick schon weiter in die Zukunft gerichtet und blicken bereits nach Südafrika, wo bald das Leder 2010 rollen wird. Die Aktienkurse von südafrikanischen Baukonzernen, darunter Marktführer Aveng sowie Group Five aus Johannesburg, haben seit Jahresbeginn mehr als 30 Prozent zugelegt. Sie profitieren davon, daß Südafrika innerhalb von fünf Jahren 370 Mrd. Rand (47,9 Mrd. Euro) für die Fußballspiele ausgeben will.
Die WM-Gelder für Bahnstrecken, Stromerzeugung und Stadien kommen zusätzlich zu den steigenden Investitionen in Einkaufszentren, Büroimmobilien und Privathäuser, denn die Konjunktur brummt wie seit 21 Jahren nicht mehr. 2005 expandierte die Wirtschaft 4,9 Prozent. Für 2006 erwartet die südafrikanische Regierung ein ebenso starkes Wachstum. Das dürfte den Bau-Aktien zugute kommen. "Angesichts der Infrastruktur-Investitionen der Regierung werden sich die Margen der Baukonzerne sicherlich verbessern", sagt Warren Goldblum, Vermögensverwalter bei Centaur Asset Management in Johannesburg. "Die Fußball-WM ist wie ein zusätzlicher Elfmeter."
Die Aussicht auf einen Bau-Boom ließ die auch die Aktienkurse von Baumaterialherstellern und Ausbauunternehmen klettern: Für Iliad Africa, einem Anbieter von Fliesen und Badezimmereinrichtung, ging es seit Jahresbeginn 24 Prozent aufwärts. Die Aktie des Zementherstellers Pretoria Portland Cement verteuerte sich 39 Prozent. "Diese Aktien erhalten kräftigen Rückenwind, ein Großteil der Investitionen wird in ihre Richtung fließen", erklärt Bruce Main, Vermögensverwalter bei Ivy Asset Management: "Die Kurse werden aller Voraussicht nach weiter steigen." Der Nettogewinn von Aveng kletterte in den sechs Monaten bis Ende Dezember 49 Prozent auf 198 Mill. Rand. Mit 7,63 Mrd. Rand setzte Südafrikas größter Baukonzern 14 Prozent mehr um als im Vorjahreszeitraum. Der Aktienkurs des Unternehmens schnellte seit Anfang Januar 31 Prozent hoch. "Im Verlauf des letzten Jahres hat sich unser Auftragsbuch eindeutig verbessert", erläutert Hylton MacDonald, Risk Manager von Aveng.
Zu den Vorbereitungen auf die WM zählen unter anderem der Bau beziehungsweise die Modernisierung von zehn Stadien. Neue Sportstätten sollen unter anderem in Kapstadt und Durban entstehen. Danny Jordaan, Vorstandschef des WM- Organisationskomitees, rechnet damit, daß mehr als 350 000 Fans aus dem Ausland nach Südafrika kommen werden. Das Land selbst ist in diesem Jahr in Deutschland nicht dabei, 2010 als Ausrichter jedoch automatisch qualifiziert. Der Fünf-Jahres-Plan der Regierung sieht auch vor, daß die Stromkapazität bei Eskom Holdings, dem größten Elektrizitätskonzern des Kontinents, erhöht wird. Außerdem soll für 24 Mrd. Rand ein Schnellzug zwischen dem Johannesburg International Airport und Pretoria gebaut werden. Der Auftrag für die 80 Kilometer lange Strecke ging an die Bombela-Gruppe unter der Führung von Murray & Roberts, Südafrikas zweitgrößten Baukonzern, und an Bombardier aus dem kanadischen Montreal.