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Zweifel sind absurd

 
Seit zehn Jahren vermittelt Rolf Levenhagen wirtschaftliche Kooperationen zwischen Deutschland und Südafrika - zum Beispiel die eines Hamburger Architekturbüros mit dem WM-Ausrichter-Land 2010. In drei unabhängigen Ausschreibungen haben die Deutschen gemeinsam mit lokalen Partnern das Mandat bekommen, drei der fünf neuen Stadien für die WM 2010 zu planen. sport.ARD.de traf den gebürtigen Hessen Levenhagen zum Interview in Kapstadt, wo er seit drei Jahren lebt.
 
Herr Levenhagen, man hört immer wieder Stimmen, die meinen, Südafrika sei mit der Austragung der WM 2010 überfordert. Ist das so?
Rolf Levenhagen: "Das ist völlig absurd. Die Vorbereitungen laufen auf vollen Touren und hier in Südafrika versteht niemand, warum man sich in Europa diese Sorgen macht. Man sollte es den Südafrikanern nicht unnötig schwer machen, indem man mit den Zweifeln schlechte Stimmung macht. Das Land ist im Aufbruch und der ganze Kontinent Afrika wird von der Fußball-WM ungeheuer profitieren."
 
 
FIFA-Präsident Joseph Blatter meinte jüngst zum wiederholten Mal, er wolle sehen, dass in Südafrika nicht nur geredet wird, sondern endlich die Spaten und Spitzhacken in die Hand genommen werden. Wann geht's mit den Bauarbeiten denn los?
Levenhagen: "Sechs Stadien stehen ja schon, müssen nur umgebaut werden. Von den fünf neuen ist in Port Elizabeth und Durban an der Südküste schon längst mit den Bauarbeiten begonnen worden. In Kapstadt wurden Anfang Dezember die letzten Verträge unterschrieben, die Ausschreibungen für die Baufirmen sind gemacht worden und im Januar beginnen die Arbeiten. Ende 2008 wird das Stadion fertig sein."
 
Wie man hört, ist Fußball in Südafrika keineswegs Sportart Nummer eins, sondern soll hinter Rugby und Cricket nur an Nummer drei rangieren. Freut sich die Öffentlichkeit denn überhaupt auf die WM im eigenen Land?
Levenhagen: "Rugby und Cricket sind die Sportarten der weißen Bevölkerung. Aber die Zeiten ändern sich. Die Apartheid ist nun schon über 12 Jahre beendet, die Schwarzen spielen alle nur Fußball und immer mehr Weiße tun das auch. Was hier in Südafrika aber fehlt, ist die Infrastruktur. Es gibt viel zu wenig Plätze, wo die Kids spielen können. Und da setzen wir an. Wir möchten hier nicht nur die Stadien für die WM bauen und das war es. Wir möchten die WM viel mehr nutzen, um hier nachhaltig etwas aufzubauen. Es werden Multi-Funktionsstadien entstehen, die später für alle möglichen Events genutzt werden können, um die Stadien herum werden Trainingsplätze, Sporthallen, Hotels, Einkaufszentren und Erholungsflächen entstehen. Gleichzeitig sollen an den Schulen Straßenfußballplätze gebaut werden, ebenso in den Townships der Schwarzen."
 
Das hört sich gut an, aber wer bezahlt so etwas?
Levenhagen: "Man mag es in Deutschland vielleicht nicht glauben, aber die Sponsoren für solche Projekte stehen Schlange. Südafrika ist ein Land mit ungeheurem Wirtschaftswachstum, das momentan Jahr für Jahr bei sechs Prozent liegt. Bodenschätze, Tourismus, Telekommunikation, Bankenwirschaft - das boomt. Und all das steigert sich im Hinblick auf 2010 noch. Daher investieren die Firmen allein aus Marketing-Gründen derzeit gern in Fußballprojekte. Zudem sind sie per Gesetz dazu verpflichtet, ein Prozent ihres Gewinns in soziale Projekte zu investieren."
 
Zwölf Jahre nach Beendigung der Apartheid gibt es in der Bevölkerung ja immer noch gewaltige ökonomische Unterschiede. Krass gesagt: Die Weißen haben Geld, die Schwarzen sind arm. Wird die WM auch der schwarzen Bevölkerung etwas bringen?
Levenhagen: "Es werden für alle Bevölkerungsschichten durch die WM Arbeitsplätze entstehen. Auch für die Schwarzen. Zudem arbeitet das Land mit Hochdruck daran, die schwarze Bevölkerung stärker in den Wirtschaftskreislauf zu integrieren. Bei Ausschreibungen werden zum Beispiel nur Aufträge an Firmen vergeben, die mindestens 60 Prozent Schwarze beschäftigt haben. Und dann profitieren natürlich auch die schwarzen Kinder und Jugendlichen von diesen geplanten sozialen Projekten an den Schulen."
 
Wie will man die Kriminalität und das befürchtete Verkehrschaos in den Griff bekommen?
Levenhagen: "Vor allem an der Kriminalitätsbekämpfung in Johannesburg und Kapstadt muss noch stark gearbeitet werden. Aber sie sind dran: Man will das nach dem New Yorker Muster in den Griff bekommen. Und gerade bei der Kriminalität können die angesprochenen sozialen Fußballprojekte viel helfen. Man holt die Kids von der Straße - das hilft am besten. Den öffentlichen Nahverkehr wird man mit einem um ein vielfaches aufgestockten Buskontingent in den Griff bekommen müssen."
 
Inwieweit muss das Ausland Südafrika bei all diesen Dingen helfen?
Levenhagen: "Hilfe ist in allen Punkten willkommen. Aber Südafrika ist mittlerweile so stabil und hat ein solches Selbstverständnis, das es keineswegs als Bittsteller in der Welt auftritt. Das Land bietet jedoch ausländischen Interessenten Partnerschaften und ungeahnte Geschäftspotenziale an. Gerade die deutschen WM-Städte könnten hier über eine Art Twinning Partnerschaft wertvolle Erfahrungshilfe geben.Südafrika wird trotz aller Skepsis eine einzigartige und sehr emotionale WM ausrichten, glauben Sie mir."
 
Das Gespräch führte Olaf Jansen
 
Quelle: ARD