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Rassenkonflikte kein Thema

 
Erfolgs-Coach Gordon Igesund spricht über die WM und die Chancen des südafrikanischen Teams.
 
Die Presse: Herr Igesund, Fifa-Präsident Blatter sorgt für widersprüchliche Statements. Einmal soll Deutschland die WM von Südafrika übernehmen, dann ist wieder alles im Zeitplan. Wie sieht es tatsächlich aus?
Gordon Igesund: Niemand in Südafrika versteht die Aufregung. Oder genauer gesagt: Die Aussagen werden in der Bevölkerung gar nicht wahrgenommen. Ich habe keine Ahnung, was Herrn Blatter zu solchen Spekulationen treibt. Die Aussagen müssen taktische und politische Hintergründe haben. Es ist alles im Zeitplan, auch das Stadion in Kapstadt wird meines Wissens rechtzeitig fertig.
 
Freut sich die Bevölkerung auf die WM?
Igesund: Die WM hat in der Bevölkerung eine riesige Akzeptanz. Die große Euphorie fehlt zwar noch, aber es sind ja noch drei Jahre bis zum Beginn. Fußball ist jedenfalls mit weitem Abstand die beliebteste Sportart in Südafrika. Deutlich vor Rugby und Cricket.
 
Das südafrikanische Nationalteam war im Vorjahr in Deutschland nicht dabei. Auch bei früheren Turnieren konnte das Team nicht glänzen. Woran hapert es?
Igesund: In den vergangenen zehn Jahren gab es dreizehn verschiedene Teamchefs. Ohne kontinuierliche Arbeit hat man keinen Erfolg. Hinzu kommt, dass einige sogenannte Star-Spieler nicht verstanden haben, wie wichtig das Nationalteam für den südafrikanischen Fußball ist. Auch Benny McCarthy, der heuer bei Blackburn eine tolle Saison abgeliefert hat, war lange Zeit mit dem Verband zerstritten.
 
Südafrika will künftig nur noch Mannschaften zu internationalen Sportereignissen schicken, die mehrheitlich mit Schwarzen besetzt sind. Haben Rassenkonflikte fast zwei Jahrzehnte nach Ende der Apartheid noch einen negativen Einfluss?
Igesund: Klare Antwort: Das ist kein Thema und im Fußball auch nie eines gewesen.
 
Seit Anfang 2007 gibt es mit Carlos Alberto Parreira, der 1994 Weltmeister wurde, einen höchst erfolgreichen brasilianischen Coach. Ist er der richtige Mann?
Igesund: Er hat mit seiner Arbeit gerade erst begonnen, da kann man noch kein Urteil abgeben. Aber es wird nicht leicht für ihn, da er aus einem anderen Kulturkreis kommt. Mal sehen, ob er von allen Trainern und dem Verband die volle Rückendeckung erhält.
 
Was ist im Optimalfall für Südafrika bei der WM 2010 zu holen?
Igesund: Das Viertelfinale wäre schon eine fantastische Leistung. Wir haben einige 17, 18-Jährige die in Europa noch kein Mensch kennt, die aber 2010 für Furore sorgen können.
 
Sie sind Trainer bei Meister Mamelodi Sundowns. Wie stark ist der südafrikanische Vereinsfußball?
Igesund: Wir haben am Mittwoch gegen Barcelona mit Ronaldinho und allen Stars nach Führung unglücklich 1:2 verloren. In den vergangenen Jahren haben wir einige Male gegen europäische Spitzenteams gespielt und sehr gut mitgehalten. Etwa auch gegen Manchester United. Wir können uns mit diesen Teams messen.
 
Keine Probleme hätte ihr Team wahrscheinlich mit der Admira ( Österreichsiche Mannschaft ). Ihre frühere Mannschaft ist gerade erstmals in der Vereinsgeschichte in die dritte Liga abgestiegen. Haben Sie noch Kontakt zu Österreich?
Igesund: Wirklich? Das tut mir sehr leid. Nein, obwohl ich eine wunderschöne Zeit in Österreich hatte, gibt es kaum noch Kontakt. Aber vielleicht komme ich ja irgendwann als Trainer zurück. (Lacht): Schaut so aus, als hätte mich die Admira nie gehen lassen sollen...
 
Quelle: Die Presse